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Zotzenbach

Die zweite in der Lorscher Klosterchronik wiedergegebene Urkunde (Nr. 40) führt neben den großen Weschnitztalgemeinden auch einige kleinere Dörfer auf. Mit dem am 1. Oktober 877 ausgestellten Dokument vermacht Graf Liuthar (Liuther) von Hausen seinen Besitz in Leutershausen und der weiteren Umgebung der Reichsabtei Lorsch, erhielt ihn jedoch – neben anderen Gütern – zur Nutzung auf Lebenszeit zurück.

1827 - Eigenes Schulhaus

Am 6. Mai 1877 konnten die Evangelischen dann ihr ab April 1874 erbautes Gotteshaus einweihen. Gleichzeitig wurde die neue Pfarrstelle errichtet. Wenige Jahre zuvor, 1871, hatte das Dorf zusammen mit Unter-Mengelbach 820 Einwohner, darunter 795 Evangelische und 25 Katholiken. Die Einwohnerzahl war somit seit 1822 (62 Häuser; 564 Personen, davon 546 Lutheraner, 6 Reformierte und 12 Katholiken) um rund 45,4% gestiegen.

Die erste Erwähnung einer eigenen Schule fällt in das Jahr 1729. Vorher besuchten die Kinder die Schule in Rimbach. Legendär sind drei Lehrergenerationen Getrost, die rund 100 Jahre, von 1729 bis 1826, in Zotzenbach unterrichteten und auch das Schullokal stellten. Erst 1827 erhielt das Dorf ein eigenes Schulhaus, doch erwies sich das Gebäude wegen hoher Reparaturanfälligkeit und Unterhaltungskosten als völlig unzureichend.

Ein Neubau wurde ins Auge gefasst und 1837/38 realisiert. Erweiterungsmöglichkeiten waren gegeben. Beim Bau fanden die Materialien des abgebrochenen Rimbacher Pfarrhauses Verwendung.

1867 wurde die Schule zweiklassig. Steigende Schülerzahlen, um die Jahrhundertwende nahezu 200, machten schließlich in den Jahren 1900/1901 den Bau der „Neuen Schule“ und die Errichtung einer 3. Klasse erforderlich. Die Einweihung erfolgte am 4. Januar 1902.
Das alte Schulgebäude diente danach noch rund 70 Jahre als Rathaus.

Kirchliche Beziehungen

Mit den hohen Gerichtsfällen gehörte Zotzenbach, das seit alters mit Unter-Mengelbach eine Gemarkung bildete, von Anfang an zur Zent auf dem Landberg, mit den leichten Vergehen jedoch zur Zent Mörlenbach. Beide Zenten unterstanden von 1232 bis 1463 dem Mainzer Erzbischof, kamen jedoch durch die Verpfändung des Oberamtes Starkenburg für mehr als 150 Jahre an Kurpfalz. Zu seinem Lehnsrecht erhielt der Pfalzgraf nunmehr noch Vogteirechte.

Überschneidungen mit Rechtstiteln der Erbacher dürften deshalb 1475 die Ursache für einen außerordentlichen Gerichtstag in Zotzenbach gewesen sein, und zwar in Anwesenheit des Schenken Philipp von Erbach und eines kaiserlichen Notars.

In einem einmütigen Beschluss „wiesen“ die Schöffen dem Schenken Gebot und Verbot über Wald, Wasser und Weide, auch über Bußen und Frevel innerhalb der Bannzäune zu. Das Dorf gehörte zu jenem Zeitpunkt zur Hälfte dem Schenken Philipp von der älteren Erbacher Linie, zu je ¼ der Reichenberger und Michelstädter Linie.

Kapelle in Zotzenbach

Auf die kirchlichen Beziehungen zu Rimbach wurde bereits an anderer Stelle kurz hingewiesen. Vor der Reformation indessen besaß Zotzenbach eine eigene Kapelle, die (nach Simon) „Unserer Lieben Frauen“, der Gottesmutter Maria, geweiht war.

Den Dienst versah ein besonderer Kaplan. Auch wurden die Toten damals noch auf einem eigenen Kirchhof begraben. Wichtige urkundliche Zeugnisse aus jener Zeit sind das Testament Schenk Heinrichs von Erbach, der 1387 dem Kaplan zu Zotzenbach ein Malter Korn vermacht, und das Weistum von 1475, in dem Petrus von Bensheim, Kapellan zu Zotzenbach, als Zeuge erwähnt wird. Das Dorf pfarrte damals noch nach Mörlenbach.

Graf Valentin

Erst 1544 (oder kurz danach) löste Graf Valentin Zotzenbach aus seinen Bindungen zu Mörlenbach und teilte es Rimbach als Filiale zu. Die Kaplanei wurde wohl mit der neuen Pfarrei vereinigt, die Kapelle selbst fiel den Wirren des 30jährigen Krieges zum Opfer. Geringe Reste (Grundmauern) gibt es noch im Anwesen Bahnhofstraße 2 (Adam Winkler), einzelne Steine fanden beim Bau verschiedener Häuser Verwendung.

Ab wann die Zotzenbacher ihre Toten in Rimbach beerdigen (spätestens seit dem 30jährigen Krieg?), ist nicht mehr feststellbar. Mit der Wiederanlegung eines eigenen Friedhofs wurde jedenfalls 1860 der erste Schritt zur Trennung von der Pfarrei Rimbach getan.

14. Dezember 1971

Der Entschluss, im Zuge der Gebietsreform die gemeindliche Selbstständigkeit aufzugeben, ist den Zotzenbacher Gemeindevertretern nicht leichtgefallen. Erst sehr spät, am 14. Dezember 1971, beschlossen die Mandatsträger mit fünf gegen zwei Stimmen (eine Enthaltung), die Eingliederung des Dorfes in die Gemeinde Rimbach zu beantragen.

Bereits einen Tag danach – Eile war geboten – fasste auch das Rimbacher Ortsparlament einen entsprechenden Beschluss. Die Unterzeichnung des Grenzänderungsvertrages wurde am 28. Dezember 1971 im Zotzenbacher Rathaus vorgenommen. Eine lange Periode kommunaler Eigenständigkeit ging mit diesem Schritt zu Ende.